Atelier Susanne Stühr in Letschin

 

Künstlerisches Werk zwischen Metropole und Oderbruch

Installation, diverse Materialien, Kulturmühle Perwenitz 2009

 

Susanne Stühr stammt aus Schleswig-Holstein. In Berlin studierte sie Malerei und Bühnenbild. Dass sie im Oderbruch eine neue Heimat fand, hängt sicherlich mit Landschaftsstrukturen zusammen, die sie an heimatliche Ausprägung erinnerten. „In dem platten Land habe ich mich gleich zu Hause gefühlt“, beschreibt die Künstlerin ihren Eindruck, als sie die Region für sich entdeckte.

Installation, diverse Materialien, Kulturmühle Perwenitz 2009

Ausschlaggebend für die Entscheidung, sich im dünn besiedelten und von Gräben durchzogenen Odergebiet nieder zu lassen, war bestimmt auch der Dreiseitenhof im Letschiner Ortsteil Neubarnim, den man in den frühen 90er Jahren ausfindig machte und mit viel Eigenarbeit herrichtete. In den großen Nebengelassen, die ehemals landwirtschaftlichen Zwecken dienten, ließen sich ideale Bedingungen für den Kunstbetrieb schaffen. So entstanden neben dem großzügigen Atelier auch weitere Räume zur Präsentation von Kunst.

Regelmäßig beteiligt sich Susanne Stühr an den „Kunst Loose Tagen“. Ein Format, welches in seiner Namensgebung auf die für das Oderbruch typischen, ausserhalb von Ortschaften gelegenen Bauernwirtschaften „Loose Höfe“ genannt, eingeht und die Möglichkeit eröffnet, drei Tage Kunst zu erleben, wo sie gemacht wird.

Zahlreiche Kreative öffnen ihre Ateliers. Susanne Stühr war von Anfang mit dabei. Zu den Publikumstagen fertigt sie oft ortsbezogene Installationen. Im großen Garten, zum Beispiel, errichtet sie zum Thema „Jagen und Sammeln“ einen Hochsitz, den sie im Ansitzbereich zur „Jagdkammer“ mit Tapete und Trophäen umgestaltete (siehe Titelbild). Mit solcher Art Irritation arbeitet sie gerne. Der Betrachter reagiert überrascht und verblüfft auf die „heitere Poetik“, die diesen Objekten innewohnt. Bis zu 500 kunstinteressierte Gäste konnte sie schon durch das offene Atelier führen. Für Besucher bleibt es spannend vorbei zu schauen, da Arbeiten extra zu diesem Termin erdacht und umgesetzt werden.

 

„Abstrakte Arbeiten“ Acryl auf Leinwand

„ohne Titel“ – 40 x 40 cm, Acryl, Leinwand
Installation im Rahmen der Ausstellung „Schönheit“ Künstlerinnengruppe Endmoräne, Schloss Petersdorf (2006) : OP Geräte, Stickerei auf dem Kopfteil des Lakens (90/60/90)

 

Abstrakte Gemälde ziehen sich durch ihr Oeuvre – neben dem immer wiederkehrenden Format der orts- und themenbezogenen Installationen. Die Installation „Idealmaß“ ist einer Schönheits-Operation nachempfunden, welche augenzwinkernd auf den Ausstellungsort eingeht.

Eine heruntergekommene Villa in Petersdorf, einer der vielen Lost-Place-Spielorte der Künstlergruppe Endmoräne, erinnerte die Künstlerin an eine „Alte Dame“.

Eine dringendes „Lifting“ erschien erforderlich, welches mit ihrer Schöpfung im gekachelten Keller des Hauses humorvoll und symbolhaft umgesetzt wurde. Passend dazu gab es eine Wand-Malerei „sur face“ – ausgeführt mit Creme und Make-Up Farben. Wohlmöglich ein Statement zum gegenwärtigen Schönheitswahn.

 

 

Transformation als künstlerischer Prozess

1. „Fomes-Fomentarius“ – 2013, Baumpilz, Acryl, Kunsthaar, 15 x 24 x 12 cm
2. „Die drei Schwestern“ – 2013, Wetter geformte Backsteine, Hase, Kaninchen, Nerz
3. Ohne Titel – 2012, Mischtechnik auf Odersediment, ca. 30 x 50 cm

Manche Arbeiten lassen einen Bezug zur Natur erkennen. Materialien wie Baumpilz und Odersediment finden Verwendung. So entstand aus getrocknetem Pilz, der mit perlmuttartigen Spezial-Pigment versehen wurde, die Serie „Fomes-Fomentarius“.

Backsteine – in die Jahre gekommen – werden durch Wind, Wetter sowie einem Busch gebürstet. Stühr führt sie einer neuen Bedeutung zu. Die Gestalterin beklebt die ursprünglich im Mauerwerk verbliebenen Stellen des Steines mit Fell und hilft damit auch dem Auge des Betrachter zur hintergründigen Transformation. Ein Wechselspiel, welches zwischen der Freiheit der ersten Wahrnehmung und dem anschließenden Zusammenfügen der gedeuteten Bildelemente entsteht.

 

Ausstellung in der Letschiner Heimatstube – „Ornament und Kanne“

2018, 20,5 x 42 cm Acryl, Papier

 

Ornament und Kanne – ein Spiel mit zwei Begriffen, die nicht wirklich zusammen passen. Eine Darstellung zwischen den Genres. Malerei, Grafik, technische Zeichnung als Parallelprojektion – aber nicht perspektivisch.

Es dauert eine Weile bis der Betrachter einzelne Objekte herausschälen kann. Gießkannen!

Immer die selben Kannen, mal horizontal, mal vertikal gespiegelt verwischen sich wieder. Fließen ineinander mit Zwischenräumen – werden zum Quadrat, kreisförmig, rechteckig, rhombenförmig.

Man merkt der Künstlerin die Freude am Experimentieren an – sich und andere zu überraschen, ist ihr stets ein wichtiges Anliegen.

 

Ausstellungs-Beitrag zu den „Kunst Loose Tage 2017″

Radiator, Stoff, Kletten, 64x15x60 cm

 

Im benachbarten Atelier der Künstler-Kollegen Alexandra Karrasch und Detlef Mallwitz in Ortwig steuerte Susanne Stühr die mit Kletten überzogene Schöpfung des „pelzigen“ Radiators bei. Diese verfolgt ein ähnliches Ziel. Eine Verbindung von Materialien, die durch die gegenseitige Befremdung zur Aussage der künstlerischen Intervention gelangt.

 

 


Titelbild:  Installation „Hochsitz“ – 2009 © Fotos Ulrich Seifert-Stühr

 

 

Atelier Susanne Stühr

Neubarnimer Dorfstr. 24
15324 Letschin
Tel.: 033452 294