Fotoatelier und Archiv Jürgen Graetz in Dagow

 

Lebenswerk zwischen Metropole und dem Naturpark Stechlin-Ruppiner Land

Jürgen Graetz, ein schwarz/weiß Fotokünstler der ursprünglichen Art, lebt in Dagow am Dagowsee, der kleinen Schwester vom Stechlinsee. Hier ist er geboren und hierhin ist er zurückgekehrt. In diese schon von Fontane durch seine Schilderungen im Reisebericht „Wanderungen“ geadelte Gegend bei Gransee. Auch der Stechlinsee, eine Naturschönheit, ist fußläufig erreichbar und gehört nach seiner Zeit in Berlin wieder zum „Motivsuchgebiet“ des Fotografen.

Es ist das Elternhaus des Lichtbildners, erbaut 1926 vom Großvater Heinrich Dierks, einem Landschaftsmaler, indem sich Jürgen Graetz schon vor langer Zeit ein Labor sowie ein Archiv im Keller des Hauses eingerichtet hat. Ein Labor? Richtig! Jürgen Graetz ist seinem Ursprungs-Medium treu geblieben. Der analogen s/w Fotografie, die es mit sich bringt, dass der Film, um alle Feinheiten im Prozeß der Graustufen-Umsetzung steuern zu können, in der Dose entwickelt und Handabzüge weiterhin, nach dem Belichten auf Barytpapier, mit der Zange aus dem Fixierbad gefischt werden.

Ein Archiv? Jawohl! Graetz beschäftigt sich neben seiner umfangreichen Sammlung an eigenen Fotografien, die teilweise noch unveröffentlicht sind oder gerade erst zum Einsatz kamen, wie z. B. in dem Buch: Stadt, Land, Leben – Fotografien aus der DDR 1967-1992 (Mitteldeutscher Verlag), mit dem Aufbau einer Orts-Chronik Neuglobsows. In der eigenen Edition Stechlin werden, zusammen mit seiner Frau, der Künstlerin Elli Graetz, Bücher und andere Druckprodukte herausgegeben, die sich mit der örtlichen Thematik befassen.

 

STECHLINSEE – ein magischer Ort vor allem zur unwirtlichen Jahreszeit

Seine Landschaftsaufnahmen im Stechliner Naturpark entstehen auf ausgedehnten Wanderungen zu denen Graetz seine Kamera stets mitschleppt und griffbereit hält. Gerade bei vermeintlich widrigen Bedingungen, wie Nebel, Sturm oder diffusem Winterlicht gelingen die besten Aufnahmen. Gleichzeitig setzt dieses Ringen um herausragende Landschafts-Fotografie ein hohes Maß an Disziplin voraus – denn: wenn andere sich buchstäblich hinter dem Ofen verkriechen möchten, ist der Fotograf unterwegs, „um seine Aufnahmen in die Kiste zu bekommen“
 

Als Bildjournalist im Berlin der DDR

Seinen Blick für das besondere Motiv hatte er eigentlich in einem ganz anderem Umfeld geschärft. Nach seiner Ausbildung als Gebrauchswerber und anschließender Berufsausübung als technischer Assistent und Fotograf im Museum für Ur- und Frühgeschichte in Babelsberg, war Jürgen Graetz nach Berlin gezogen. Damals illegal. Der Zuzug war streng reglementiert, um die Landflucht zu verhindern.

Er arbeitet in jener Zeit freiberuflich und veröffentlicht seine Fotografien in der Buchreihe Spektrum, in der Modezeitschrift Sibylle, in der Akademie-Zeitung und in der Zeitschrift Die Wirtschaft. In dieser Phase seines Werdegangs lernt er auch das Künstlerpaar Sibylle Bergmann und insbesondere Arno Fischer kennen, dem er als Lehrmeister eine Menge verdankt. Mit ein wenig Glück und zähem Durchsetzungswillen gelingt es Graetz, sich in Berlin zu profilieren.

Beobachten und Abwarten

Er bekommt eine Zulassung als Bildjournalist – durch die freundliche Empfehlung verschiedener Chefredakteure. Nicht immer passen Graetz Bilder in die Bildästhetik der DDR. Leerstehende Geschäfte in heruntergekommenen Häusern oder ein ausgeschlachtetes Autowrack am Straßenrand in Friedrichshain waren Motive, die nicht in den offiziellen Magazinen gedruckt wurden. Graetz fotografiert trotzdem, oft als höflicher Flaneur, der Abstand zu seinen Protagonisten hält.

Beobachten und Abwarten waren seine Maxime, die bis heute für ihn gilt. Dabei gilt es, sich auf die Komposition zu konzentrieren und erst dann abzudrücken. Oft fotografiert er lediglich für „seine Kiste“, in der er nach Rubriken und Serien geordnet, seine Fotos archiviert. Ein Anlass, sie dann später, zu einer neuen Reihe gefügt, wieder herauszuholen ergibt sich. Jürgen Graetz ist heute als renommierter DDR-Chronist häufig angefragt, seine Sicht auf die Dinge vorzustellen.


Atelier Jürgen Graetz

Dagowseestraße 26
16775 Dagow/Stechlin
Tel.: 03 30 82 / 7 04 28