Design meets mobility

Kategorien Nachlese, News

Leben und Arbeiten im ländlichen Raum – das bedeutet, neue wirtschaftliche Potenziale erschließen, neue (Lebens-)Qualitäten entdecken und neue Herausforderungen meistern. Dafür brauchen wir Brandenburger mehr branchenübergreifende Kooperationen, mehr
interdisziplinäre Denkanstöße und mehr gemeinsamen Gestaltungswille.

Auch und gerade in den Handlungsfeldern Handel & Dienstleistung, Tourismus & Ernährungswirtschaft, Mobilität & Infrastrukturentwicklung. Diesen Anspruch will die Veranstaltungsreihe „Design New Ideas“ aktiv aufgreifen und Gestalter aus unterschiedlichen Disziplinen wie Produktdesign, Grafik, Architektur, Kommunikation, IT oder Games mit Unternehmen und Unternehmern aus anderen Branchen zusammenführen, damit sie sich als Ideengeber, Kompetenzträger und Sparringspartner gegenseitig bereichern und Themen aus erweiterten Blickwinkeln betrachten können. Design New Ideas wird veranstaltet durch den Landgang e. V. in Kooperation mit der Brandenburger Agentur für Kultur und Kreativwirtschaft und mit Unterstützung durch das Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg.

Im ersten Innovations-Workshop dieser Reihe am 3. Mai 2018 in der Museumsfabrik Pritzwalk mit dem Titel DESIGN MEETS MOBILITY beschäftigten sich die Teilnehmer mit der Frage, wie drängende Mobilitäts- und Infrastrukturprobleme in einem Flächenland wie Brandenburg kreativ bewältigt werden können. Dabei kann es um Handlungsoptionen im Bereich der Warenlogistik oder im Produkt- und Servicevertrieb gehen, aber auch um die Zukunft der individuellen Mobilität, um neue Technologien zur Unterstützung der Gesundheitsversorgung oder gar um virtuelle Fernwartungsprogramme, die räumliche Grenzen überwinden.

Ganz gleich, in welchem Bereich wir uns mit den geladenen Experten umschauten: Überall sind
kreative Gestaltungsimpulse gefragt – und zwar nicht nur im klassischen Sinne von Produktdesign, Usability und / oder Markenauftritt – sondern im Sinne von interdisziplinärer Kooperation, die bereit und im Stande ist, über den eigenen Tellerrand zu blicken und neue Wege zu gehen.

Diskutiert wurde in den frisch sanierten Räumen der Museumsfabrik Pritzwalk, die sich mit
ihrem Schwerpunktthema „Industrialisierung im ländlichen Raum“ über die Region Nordwestbrandenburg hinaus als neuer kultureller Hotspot etablieren will, über folgende Fragen:

Welche Bedeutung hat der Begriff Mobilität für das Flächenland Brandenburg? Was erwarten wir von Mobilität und was erhoffen wir uns für die Zukunft? Wie können sich Kreative in die Gestaltung neuer Mobilitätskonzepte einbringen? Und wollen sie das? Welche Rolle spielt die Politik und welche Verantwortung müssen (kommunale) Gemeinschaften selbst übernehmen?

Eine Fülle von Fragen, denen wir uns im Innovationsworkshop DESIGN MEETS MOBILITY zunächst aus drei unterschiedlichen Perspektiven nähern: Blickpunkt Automobilindustrie – Blickpunkt Design & Usability – Blickpunkt regionale Mobilitätsbedarfe.

DIMENSIONEN DER BEWEGLICHKEIT

„Dimensionen der Beweglichkeit oder wie sich der Mobilitätsbegriff verändert“, unter diesem Motto erinnerte Harald Bleimeister, Vorstandsvorsitzender aBB e. V. – automotive BerlinBrandenburg e. V., in seinem Impulsvortrag an die rasante Technologieentwicklung in Sachen Mobilität. „Heute geht es um Sharing-Modelle, um nutzerfreundliche Mobilitäts-Apps, um autonomes Fahren und immer wieder um die Frage, ob der Individualverkehr überhaupt noch eine Zukunft hat.“ Darauf müsse und darauf werde sich die Automobilindustrie einstellen und ausrichten. In der Beschreibung von Zukunftsszenarien bräuchten wir weniger die Diskussion von Bestehendem und Optimierbarem, sondern müssten mutige Visionen wie Elon Musks „Hyperloop“ (ein Hochgeschwindigkeitstransportsystem basierend auf Vakuumtunnel-Technik) oder den von der US-amerikanischen Firma Terrafugia verwirklichten Traum vom fliegenden Auto (TF-X, Prototyp eines Helikopter-Flugzeug-Auto-Modells) in den Blick nehmen. „In 20 bis 30 Jahren werden wir auf Basis solcher Ideen Mobilität nochmals neu definiert haben und nur noch mit einem müden Lächeln in unsere heutige Gegenwart zurückschauen“, ist sich Bleimeister sicher.

DESIGN BEDEUTET EIN PROBLEM ZU LÖSEN

„When I’m working on a problem, I never think about beauty. I think only how to solve the problem.“ Mit diesem Zitat von Design-Ikone Richard Buckminster Fuller eröffnete Manuel Friedrich vom Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Usability seinen Impulsvortrag zur Verbindung von Design und moderner Mobilität. Dabei stellt er den Begriff „Usability“ als Ermöglichung einer einfachen Nutzung komplexer Technologien in den Vordergrund. „Mit der zunehmenden Digitalisierung werden Schlagworte wie „Living with Complexity“, „Managing Complexity“ oder „Service Design“ immer wichtiger. Wir müssen lernen, hochkomplexe Gerätschaften und Abläufe in überschaubare Handlungsoptionen zu übersetzen“, beschreibt Friedrich die Herausforderung an heutige Produkt- und Konzept-Designer. „Die Gestaltung moderner User-Interfaces ist ebenso unverzichtbar wie ein kreativer Zugang zu neuen Diensten oder agilen Arbeitsformen.“

MOBILITÄT STEHT FÜR TEILHABE UND REGIONALE ZUKUNFT

„Für uns bedeutet Mobilität vor allem Mangelverwaltung!“ Mit dieser provokanten These eröffnete Mike Blechschmidt, Vorsitzender Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock/Dosse e. V. seinen Impulsvortrag zu aktuellen Mobilitätsbedarfen regionaler Wirtschaftsunternehmen und stellte gleich eine ganze Reihe an Fragen zur Diskussion: „Wie bekommen wir trotz fehlender oder mangelhafter Mobilitätsausstattung Fachkräfte in unsere Region? Müssen wir künftig nicht nur den Menschen, sondern auch unsere Arbeitsprozesse mobiler gestalten? Könnten Technologien wie Virtual Reality dazu einen Beitrag leisten? „Mobilität ist eine Grundbedingung der kommunalen Daseinsvorsorge und wesentlicher Bestandteil der kommunalen Selbstverwaltung, zu der nicht nur öffentliche Verwaltungen, sondern auch wir Bürgerinnen und Bürger beitragen müssen“, so Blechschmidt.

LEBENDIGE DISKUSSIONEN

Insbesondere die auf konkreten regionalen Bedürfnissen und Engpässen aufbauenden Impulse von Mike Blechschmidt setzten in den nachfolgenden Workshop-Runden rege Diskussionen in Gang.

Wir fassen hier stichpunktartig zusammen, welche Ideen aus der anschließenden Diskussion uns im Miteinander von DESIGN & MOBILITY als ausbaufähig erscheinen:

  • Die zunehmende Vielfalt unterschiedlicher Shopping-Portale und die damit einhergehende Zunahme privater Paket- und Zustelldienste mit ihren wachsenden Streckennetzen sollten für innovative Zusatznutzen erschlossen werden. Hierfür werden wirtschaftlich überzeugende Synchronisations-Konzepte benötigt, die zudem über eine hohe Service- und Usability-Qualität verfügen.
  • Technologien, wie Virtual und/oder Augmented Reality (VR/AR) helfen, überflüssige Wege für Servicekräfte, Konferenzteilnehmer, Arbeitsgruppen etc. einzusparen. Solche agilen Arbeitsformen auszugestalten wird eine wichtige Aufgabe für kreative Impulsgeber.
  • Auch Ausbildungsinhalte sollte via VR-und AR-Technologie vermittelt werden. Das schafft neue Potenziale für den Fachkräfteaufbau und hilft, junge Menschen in ihren Heimatregionen beruflich zu verankern.
  • Um weiteren Abbau von öffentlichen Nahverkehrsangeboten zu vermeiden, könnten insb. während der Nachtstunden Modelle für autonomes, schienengebundenes Fahren erprobt werden. Interessant wäre, solche und weitere, ggf. bereits angedachte Ansätze mit Vertretern der Deutschen Bahn zu diskutieren.
  • Das Angebot des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Usability, die so genannte „Persona-Technik“ zur Analyse regionaler Mobilitätsbedarfe zu nutzen, sollte in jedem Fall aufgegriffen und weiter verfolgt werden.

Die nächste Veranstaltung in der Reihe Design New Ideas findet statt unter dem Titel DESIGN MEETS FOOD am 7. Juni 2018 – 15 bis 18 Uhr im Ökodorf Brodowin in 16230 Chorin, Ortsteil Brodowin (Uckermark).

Inhaltlich wird es um folgende Fragen gehen: Welche Bedeutung hat die Ernährungswirtschaft für das Flächenland Brandenburg? Welche Rolle spielen regionale Angebote? Welche Impulse können professionelle Kreative für den Vertrieb und Absatz regionaler Produkte geben?
Weitere Informationen unter unter www.landgang.digital. Anmeldung unter anmeldung@landgang.digital

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