Kulinarischer Salon in drei Gängen

Kategorien Montagssalon, Nachlese, News

Ein leichter Wind blies verlockende Düfte durch Türen und Fenster beim 13. Date am 1. Oktober, als die Gäste eintraten. Das Ambiente im Café und Bistro Wildwuchs, am Montagabend in erstklassiges Herbstlicht getaucht, lässt die Persönlichkeiten seiner Inhaberinnen erahnen.

Ulrike Lehmann und Jahnavi Seydlitz haben im November 2017 eine Partnerschaft geschlossen und das vegane Einraumrestaurant eröffnet.

 

In der ersten Pflanzenküche Neuruppins vertraut man seinen Gaumen der Intuition und der botanischen Spiritualität der beiden Frauen an. Die gelernte Ergotherapeutin Lehmann hatte zuvor ein veganes Catering etabliert und nun mit der Graphikdesignerin Seydlitz direkt gegenüber dem Museum einen geeigneten Ort für das gemeinsame Bistro gefunden. Jens Kanitz war nicht der einzige Anwesende, der es bereits für sich entdeckt hatte. In der Mittagsstunde oder nach Feierabend scheinen sich hier die Kreativen der Stadt zu treffen, um bei gutem Essen zu philosophieren, zu staunen oder zu schweigen. Eine inspirierende Pause mit sinnlichen Überraschungseffekten und nagelneuen Geschmackserlebnissen. Die resultieren daraus, dass die Kochkunst sich nicht nur an der heilsamen ayurvedischen Küche orientiert, sondern auch an der Ernährungslehre nach den Fünf Elementen. Dafür kommt sie ohne Rezept und Kochbuch aus und basiert auf Improvisationstalent. Lehmann kreiert leidenschaftlich gern Menüs aus saisonalen und regionalen Zutaten. Seydlitz tischt sie auf, als serviere sie direkt auf ein Titelblatt. Kanitz verglich die Gerichte mit Kunstwerken der Arte Povera.

 

Nach der Vorstellung der beiden Frauen ließen diese ihre Kunst für sich sprechen. Lehmann bereitete in einer Art Liveperformance einen Salat zu. Die Zutaten dafür – in fünf verschiedenen Geschmacksrichtungen, Farben und Konsistenzen – warf und schüttete sie in eine Schale mit schwarzem Reis. Dann endlich ließ sie eine Kostprobe kreisen. Das Lob der Teilnehmer dieses Experimentes klang wie eine zärtliche Hymne auf die Geschmackserfahrung Bitterkeit.

 

Jahnavi Seydlitz möchte genau dies bewirken: mit gutem Essen energetisieren und glücklich machen. Sie wünscht sich, dass Wildwuchs sich zu einer Begegnungsstätte für Menschen mit Interesse an bewusster Ernährung entwickelt und betonte den sozialen Aspekt der gemeinsamen Tafel. Der mögliche Effekt der raffinierten Menüs, wagte Kanitz die steile These, wäre, dass die Seelen der Stadt bereits mit dem Genuss eines Tellers Wildwuchs pro Woche ein kleines bisschen gesünder würden.

 

Wie um einen Beweis zu liefern, luden die beiden Köchinnen schließlich zur Verkostung ein. Angeregt und vergnügt naschten die Gäste die bezaubernden Delikatessen. Sie schwärmten von Farbenpracht, Spontanität und entspannter Reduktion wie bei Gemälden. Das unerwartete Essen lieferte die Inspiration für blumige Worte. Das Angerichtete war eine „Augenweide“.

 

Ein neuer Treffpunkt der kreativen Szene Neuruppins – bereits nach neun Monaten, so erweckt es den Eindruck. Das ist mindestens ein Anfangserfolg und potenzielles Modell für kreative Neugründungen.

 

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