Atelier Michael Hischer in Betzin

 

Ausstellung: kinetische Objekte im Hausgarten

 

Die kinetischen Skulpturen vom Michael Hischer, die als vierte Dimension den Zeitfaktor in sich tragen und vom Künstler in einem langfristigen Prozeß verfeinert wurden, sind im In- und Ausland gefragt. Der aus Schleswig-Holstein stammende Bildhauer hat in Hannover und Berlin an der Hochschule der Künste studiert – schließlich als Meisterschüler die Universität beendet.

Lange Jahre hat Hischer zusammen mit seiner Frau Marina Schreiber, ebenfalls eine Bildhauerin, ein Atelier in Berlin-Kreuzberg betrieben, bis er für seine raumgreifenden Skulpturen mehr Platz benötigte.

In dem kleinen Dorf Betzin, nahe Fehrbellin, in dem sich das Künstlerpaar 2008 niederließ, findet er perfekte Bedingungen für sein künstlerisches Schaffen. Die ehemalige Scheune des Dreiseitenhofs dient als Atelierwerkstatt während sich im großzügigen Garten seine kinetischen Objekte wiederfinden, die allein schon durch ihre, wie von Geisterhand in Bewegung versetzten,  scheinbar – aufgrund des Drehmoments – in sich verwundenen Aluminiumflügel die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Im Innersten der Meditation zugeordnet

Objekt: WV314,

Michael Hischer beschreibt seine kinetischen Skulpturen folgendermaßen: Die Werke sind für den Außenraum konzipiert und aus Edelstahl und Aluminium gefertigt. Ihre beweglichen Elemente sind auf mit Rillenkugellager bestückten Achsen gesetzt und so fein ausponderiert, dass sie schon leichtester Windhauch in Bewegung versetzt.

Zentrisch sind die Flügel montiert. Fein ausgewichtet finden sie scheinbar schwerelos ihre Mitte und zeigen so, dass sie in ihrem Innersten ganz tief der Meditation zugeordnet sind.

Kinetische Skulpturen sind vierdimensional. Denn wenn ihre Flügel ungeordnet und unvorhersehbar ihre Bahnen ziehen, handeln sie immer auch vom Vergehen der Zeit, beschreiben sie die Zeit, die in der Bewegung verrinnt. Leichtigkeit, Gleichgewicht und Balance sind ihr Thema, Entschleunigung und Verlangsamung sind ihr Wesen.

Sie vergeuden scheinbar sinnlos, was uns heute das Wichtigste
scheint, – Zeit.

Funktional – und doch von großem ästhetischen Reiz

Objekt: WV260, Objekt: WV417, Objekt: WV384

Ludwig Zerull †, Autor und Kunstberater meint dazu: Michael Hischers Kunst ist streng komponiert, und doch mit äußerster Leichtigkeit erspielt. Sie ist mittels Kugellager technisch ausgeklügelt und leicht gemacht. Ohne Anstoß, ohne Wind, ohne Bewegung ist sie viel weniger. Sie bedeutet nichts, wo doch heute in der Kunst so vieles bedeutungsschwer daherkommt. Und für jeden Betrachter, der auch Benutzer sein darf, hat Hischers Kunst einen hohen Unterhaltungswert. „Der ästhetische Wert dieser Objekte kann nicht durch Nachdenken realisiert werden“, hat der Bildhauer Alexander Calder, auf den sich Michael Hischer in einigen Punkten bezieht, einmal gesagt – allerdings bezogen auf seine eigenen Objekte.

Grafische Komponenten prägen die Arbeiten

Objekt WV315

 

Michael Hischer macht es sich nicht leicht, um dieses Einfache, das schwer zu machen ist, besonders leicht zu machen. Er kalkuliert diese inzwischen so unterschiedlich und vielgestaltig daher kommenden Wiege- Gerüste von ihren Mittelpunkten heraus. Das tut er durchaus spielerisch. Berechnungen, wie man annehmen könnte, macht er nicht. Erst wenn die leisesten Berührungen, seien es der Wind, ein Anstoß oder auch nur ein Regentropfen, auf die starre, wenig voluminös erscheinende plastische Form einwirken, entfaltet diese, was sie kann: Optisches Volumen zu greifen und zu gewinnen, wie es eine Skulptur ja sollte.

Michael Hischer hat für seine kinetischen Metallplastiken zu recht einmal etwas in Anspruch genommen, wonach immer und überall, in der Physik und in der Mystik gesucht wird: sein (wie es sich für ein skulpturales Kunstwerk gehört) dreidimensionales Kunstwerk habe eine vierte Dimension, hat er gesagt. Die zeitliche Komponente der langsamen Veränderung macht diese neue Dimension aus. Das leuchtet ein, wenn man die Arbeiten einmal eine Weile, wie man es bei einer Plastik tun sollte, aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet hat.

Michael Hischers Arbeiten haben eine stark grafische Komponente. Die stets so leisen Veränderungen können wirken, als zeichne ein unsichtbarer Farbstift immer neue, von Künstlerhand quasi streng komponierte Grafiken in die Landschaft.
Textauszug: Ludwig Zerull, Hannover


Alle Fotos und Reproduktionen © Michael Hischer |  Titelbild: Objekt WV471 | Text: Hischer | Zerull | Haddenhorst

Atelier Michael Hischer

Dorfstr.1
16833 Betzin/Fehrbellin

Tel. 0049 (0) 33922 90 623

Mail: info@michaelhischer.de
Web: michaelhischer.de
Instagram: instagram.com/michaelhischer